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Die Nachbarschaft

Callie’s befindet sich im Wedding, einem der historisch bedeutsamsten Viertel Berlins. Der Wedding ist Berlins internationalster Bezirk und besitzt eine Anziehungskraft und Energie, die in der Hauptstadt immer seltener zu finden ist.

Hier haben wir ein paar Meilensteine aus der reichen Geschichte unseres Stadtteils zusammengetragen.

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Geschichte des Wedding
Die Ursprünge des Wedding im 13. Jahrhundert
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Das Dorf Wedding wurde um 1210 von Ritter Rudolf von Weddinge gegründet und ist damit eine der ältesten dokumentierten Siedlungen im Berliner Stadtgebiet.

Bereits 1245, nur 35 Jahre später, wurde das Dorf aufgegeben. Obwohl der Grund dafür nicht belegt ist, dürfte die Auflösung entweder auf die Gründung der benachbarten Zwillingsstädte Alt-Berlin und Cölln in den 1230er Jahren zurückzuführen sein (heute auf dem Gebiet von Berlin-Mitte), oder aber darauf, dass das Land nicht wirtschaftlich nutzbar war.

Ein Kaufvertrag vom 22. Mai 1251, in dem die Veräußerung einer Mühle am Fluss Pankow festgelegt wurde, ist die erste urkundliche Erwähnung des Dorfes Wedding.

Die Pilgerroute: 14.-16. Jahrhundert
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1383 wurde eine Kirche in der Stadt Wilsnack im Norden Brandenburgs durch Brandstiftung niedergebrannt. Es heißt, dass drei blutbefleckte Hostien in der Asche stehen blieben. Als eucharistisches Wunder verkündet, zogen die Hostien bald Tausende von Pilger:innen aus ganz Deutschland und sogar aus so weit entfernten Ländern wie Ungarn an. Die an diesem Ort wiederaufgebaute Kirche wurde zu einem der bedeutendsten Pilgerziele Nordeuropas. Von 1384 bis 1552 führte der beliebte Pilgerweg über Wedding zur Wunderblutkirche St. Nikolai.

Die als Wunderblutweg bekannte Pilgerroute begann an der Marienkirche im heutigen Berlin-Mitte und führte die Pilger:innen auf eine 125 km lange Reise in nordwestlicher Richtung nach Wilsnack, möglicherweise entlang der heutigen Garten- und Gerichtstraße. Entlang dieser Strecke, vorbei am ehemaligen Dorf Wedding, wurden zahlreiche Kirchen gebaut.

Um 1500 wurde der Pilgerweg nur noch selten begangen und die Kirchen im Wedding wurden aufgegeben. Einige wohlhabende Berliner Bürger, unter ihnen Berlins Bürgermeister Freyberg, kauften in der Gegend allerdings Land, um es landwirtschaftlich zu nutzen.

„Vorwerk Wedding“ – die Siedlung entsteht: 17. bis 18. Jahrhundert
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Im Jahr 1601 wurde das damals als „Vorwerk Wedding“ bekannte Herrenhaus vom bayerischen Grafen Hieronymus Schlick erbaut und zwei Jahre später vom Kurfürsten Joachim Friedrich erworben.

Das Gut befand sich nördlich des heutigen Nettelbeckplatzes zwischen Reinickendorfer Straße, Weddingstraße und Pankstraße. Das „Vorwerk“ bildete den ersten Siedlungskern des späteren Weddinger Bezirks.

1782 gründete Friedrich II. König von Preußen im Bereich der heutigen Koloniestraße eine Siedlung für Einwanderer:innen aus den bayerischen Städten Ansbach und Bayreuth.

Der preußische König lud die Gruppe von Menschen ein, die ausschließlich aus Gärtner:innen bestand, und stellte ihnen Land und Wohnraum zur Verfügung, damit sie zum Anbau des heutigen Gesundbrunnens beitragen konnten. Die für sie errichtete Siedlung erhielt aufgrund ihrer Nähe zum Gutshof Vorwerk Wedding den Namen „der Wedding“ oder „Neu-Wedding“.

Seit dieser Zeit wird der Name des Stadtteils mit dem bestimmten Artikel („der“) verwendet, der auch heute noch ein Unterscheidungsmerkmal im Titel des Viertels ist.

Industrialisierung und neue städtische Herausforderungen: 19. Jahrhundert
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Die schrittweise Industrialisierung des Wedding begann in den 1870er Jahren mit der Gründung der Schering Aktiengesellschaft (1871) in der Müllerstraße 170-171, die bis zur Übernahme durch Bayer Pharma im Jahr 2006 eine der einflussreichsten Firmen mit Sitz im Wedding blieb.

Im selben Jahr (1871) gründeten die Brüder Max und August Hasse ihre Maschinenfabrik „Max Hasse Comp.“ nördlich des Bahnhofs Wedding, die 1872 eingeweiht wurde. Mehr über die Bauwerksgeschichte hier.

Etwa zu dieser Zeit begann sich der Wedding in ein dicht besiedeltes Arbeiter:innenviertel zu verwandeln, in dem sogenannte „Mietskasernen“ mit überbevölkerten Wohngebäuden und prekären Lebensbedingungen entstanden.

Die Bevölkerungszahl des Wedding stieg in dieser Zeit exponentiell an: von etwa sechzehntausend im Jahr 1867 auf über zweihundertvierzigtausend im Jahr 1910.

Andere große Unternehmen siedelten sich im Wedding an und begannen, das Gebiet erheblich zu erschließen. Die Elektrofirma AEG fing1895 mit dem Bau eines riesigen Fabrikkomplexes neben dem Volkspark Humboldthain an, Osram fertigte ab 1904 in einem Gebäudekomplex an der Seestraße die ersten Glühlampen in Deutschland und der Druckmaschinenhersteller Rotaprint verlegte 1916 seinen Produktionsstandort von Berlin-Mitte in die Reinickendorfer Straße 46.

Die Weimarer Republik: Die Moderne hält Einzug
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Bedeutende gesellschaftliche Veränderungen ereigneten sich während der Weimarer Republik (1918-33), der Ära der ersten repräsentativen Demokratie in Deutschland. Auch im Wedding herrschte eine Atmosphäre kultureller und künstlerischer Freiheit sowie demokratischer Gesellschaftsideale. Der Stadtteil wurde zudem zum Schauplatz wichtiger Beiträge der Moderne zur Architektur.

Die Wohnsiedlung Schillerpark wurde zwischen 1924 und 1930 von Bruno Taut erbaut. Sie war das erste großstädtische Wohnprojekt in Berlin während der Weimarer Republik und zeigt Einflüsse der modernen niederländischen Architektur. Heute ist sie Teil der Schlösser und Parks von Berlin und Potsdam und gehört damit zum UNESCO-Weltkulturerbe.

1927 errichtete der renommierte Bauhaus-Architekt Mies van der Rohe in der Afrikanischen Straße einen Komplex mit 88 Wohnungen.

Der von Mies van der Rohe entworfene Wohnkomplex von 1927 in der Afrikanischen Straße.
„Roter Wedding“: Die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts
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Die Etablierung von Großindustriekonzernen im Wedding wirkte sich bald auch politisch aus: Während der Weimarer Republik war die Präsenz der Arbeiterpartei hier deutlich erkennbar. Als kommunistische Hochburg nannte man den Stadtteil damals „Roter Wedding“, ein Beiname, der bis heute bekannt ist.

Schon vor der Machtergreifung der nationalsozialistischen Partei im Jahr 1933 war der Wedding ein Zentrum des Widerstands. Die Pharussäle, ein Restaurant und Tanzsaal im Hinterhof des Gebäudes Müllerstraße 143, war als „Wohnzimmer“ der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) bekannt.

Die Pharussäle auf einer Postkarte aus dem frühen 20. Jahrhundert. Foto aus der Sammlung U. Horb.

Während des „Blutmai“, der Unruhen vom 1. bis 3. Mai 1929, wurden von der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) organisierte unerlaubte Demonstrationen von der Polizei heftig niedergeschlagen. In dem eskalierten Konflikt starben in den Berliner Arbeiter:innenbezirken Wedding und Neukölln dreiunddreißig Zivilist:innen. Die Polizei setzte gepanzerte Fahrzeuge mit Maschinengewehren ein und schoss auf Wohnhäuser mit gehisster roter Fahne. Ein großer Teil des Konflikts fand auf der Kösliner Straße statt, die nur drei Gehminuten von Callie’s entfernt ist. Diese historischen Unruhen schwächten die kommunistische Partei und ebneten den Weg für die Machtergreifung der Nationalsozialist:innen kurz darauf.

Während des Krieges wurden die Pharussäle als Kantine eingerichtet, um Bedürftige mit Lebensmitteln zu versorgen. Es geht zudem das Gerücht, dass während der Kriegsjahre Jugendliche den Saal für verbotene Swingtanzveranstaltungen nutzten.

Das Viertel wurde im Zweiten Weltkrieg stark zerstört: Die Hauptkampflinie der Schlacht um Berlin (16. April bis 2. Mai 1945) lag rund um die Schul-, See- und Badstraße, wodurch ein Drittel der Gebäude im Wedding entweder vollständig zerstört oder schwer beschädigt wurde. Die Pharussäle wurden 1945 ebenfalls zerstört.

Wedding als Teil des „Französischen Sektors“: die Nachkriegsjahre
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Nach Kriegsende wurde der Wedding in den Französischen Sektor eingegliedert und der französischen Militärregierung unterstellt – von 1945 bis 1990 gehörte es zusammen mit dem Britischen und dem Amerikanischen Sektor zu West-Berlin.

Mit dem Bau der Berliner Mauer im August 1961 wurden die historischen Verbindungen zwischen dem Wedding und dem Bezirk Mitte, der seit ihrer Gründung 1949 zur Deutschen Demokratischen Republik gehörte, gekappt. Die Häuserzeile an der Bernauer Straße, die die Grenze zu Mitte bildet, war der Ort, an dem immer wieder Menschen versuchten, aus der DDR zu fliehen und dabei den Tod riskierten.

Als nach dem Krieg im Wedding mit dem Wiederaufbau begonnen wurde, riss man im Modernisierungseifer der Nachkriegszeit eine große Zahl noch intakter historischer Gebäude ab. Das Gebiet um die Brunnenstraße beispielsweise wurde Anfang der 1960er Jahre als „Schaufenster des Westens“ bekannt und entwickelte sich zum größten Sanierungsprojekt Europas.

Die Müllerstraße, abwechselnd „Corso des Wedding“ und „Ku'Damm des Nordens“ genannt, gewann in den 1950er Jahren neue Popularität und Bedeutung. Sie wurde nicht nur zum Zentrum des nachbarschaftlichen Lebens, zu einem wichtigen Einkaufsstreifen und Mittelpunkt des nächtlichen Geschehens, sondern auch zu einem Verwaltungsbezirk mit modernen Gebäuden, die das Rathaus und das Arbeitsamt Wedding beherbergen.

Während der nördliche Teil der Müllerstraße nach den Vorstellungen der damaligen Zeit modernisiert wurde, war sein südlicher Teil, an der Kreuzung zur Lindower Straße, von der sich hier in der unmittelbaren Nachkriegszeit befindlichen ehemaligen Sektorengrenze charakterisiert. “Schwarzmarktbuden" prägten das Bild – flache Gebäude, die jedoch nach einem Brand im Jahr 2004 abgerissen wurden.

In den 1970er Jahren siedelten sich so genannte Gastarbeiter:innen und Immigrierte im Wedding an, bedingt durch den preiswerten Wohnraum des Viertels. Die internationale Gemeinschaft etablierte Geschäfte und Restaurants und verlieh dem Wedding die Vielfalt und multikulturelle Identität, für die der Stadtteil bis heute bekannt ist.

Ab Ende der 1980er Jahre stellten Firmen wie Osram und Rotaprint ihre Produktion im Wedding ein, was für den Arbeiter:innenbezirk große Veränderungen und einen Bevölkerungsrückgang mit sich brachte.

„Off-the-radar“ und noch immer im Kommen: das Viertel heute
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Im Jahr 2001 wurde Wedding in den Verwaltungsbezirk Mitte überführt.

Der Bezirk erfährt weiterhin bedeutende Veränderungen. In den letzten Jahrzehnten wurde eine Reihe ehemaliger Fabriken für neue Nutzungen umgestaltet. Die Gebäude des ehemaligen Osram-Komplexes, einst die größte Glühlampenfabrik Europas, wurden 1997 von einer Immobiliengesellschaft gekauft, anschließend aufgeteilt und vermietet. Heute findet man dort ein Netzwerk aus Geschäften, Büros und wissenschaftlichen Einrichtungen. In der Nähe wurde das ehemaligen Produktionsgelände des Druckmaschinenherstellers Rotaprint 2004 von einer Mieter:inneninitiative übernommen. ExRotaprint hat sich seitdem zu einem Modell für nachhaltige Künstler:innengemeinschaften entwickelt.

In den letzten Jahren sind Künstler:innen, Kunstgalerien und Kreativbüros in die Nachbarschaft gezogen und bereichern seither die Kulturlandschaft im Wedding.

2019 wählte das TimeOut Magazine Wedding auf Platz 4 seiner Rangliste der 50 coolsten Viertel der Welt (und im Jahr 2020 nochmals zum coolsten Stadtteil der Hauptstadt): „Der am meisten unterschätzte Bezirk der Stadt verkörpert den Charme abseits des Radars, für den Berlin einst bekannt war.“ Der Wedding behält weiterhin seine einzigartige Identität als pulsierender Schnittpunkt der Kulturen.

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