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Das Gebäude
Das Gebäude von Callie’s blickt auf eine wechselvolle Geschichte zurück. Es wurde während der großen Industrialisierungsprozesse der 1870er Jahre erbaut und anschließend mehr als fünfzig Jahre lang als Maschinenfabrik genutzt. Im Laufe des 20. Jahrhunderts beherbergte es eine Vielzahl von Unternehmen, bevor es in den 1990er Jahren stillgelegt wurde und in diesem Zustand mehr als 20 Jahre lang verblieb. Im Folgenden haben wir ein paar spannende Informationen zur Geschichte des Gebäudes sowie zum Renovierungsprozess zusammengefasst.
Gustav Wunderwald, Fabrik an der Lindower Straße, Berlin N, 1927 Kunstsammlungen Chemnitz – Museum Gunzenhauser, Eigentum der Stiftung Gunzenhauser. Archivfoto.
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Die Geschichte der Lindower Straße 20-22
Die Anfänge: Max Hasse & Comp. Maschinenfabrik
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Die Max Hasse & Comp. Maschinenfabrik wurde 1871 von August und Max Hasse erbaut und als Bauinstitut für amerikanische Maschinen registriert. Die Fabrik produzierte eine Vielzahl verschiedener Apparate, die eine standardisierte Produktion ermöglichen sollten. Darunter waren Fräs-, Niet- und Nähmaschinen, die auf amerikanischen Innovationen der damaligen Zeit basierten. 1870 begann die Zweite industrielle Revolution oder Technologische Revolution, welche die Fortschritte in der Produktion exponentiell steigen ließ. In den 1880er Jahren kam der Strom nach Berlin: Die erste Glühbirne, das erste Kraftwerk und die erste elektrische Straßenbahn entstanden in einem einzigen Jahrzehnt. Im Jahr 1896 begann der Bau der U-Bahn, des unterirdischen Eisenbahnsystems.
Blick in einen der Produktionsräume in der Lindower Straße 20-22. Foto aus dem Archiv des Deutschen Technikmuseums.

Um 1900, nach dem Tod von Max Hasse, wurde seine Witwe Anna Hasse zur Eigentümerin der Maschinenfabrik.

In den folgenden Jahrzehnten kam es in Berlin zu massiven Umwälzungen. In der Kriegszeit wurden in Deutschland Rationierungen veranlasst, die zu Engpässen in der Versorgung mit Lebensmitteln, Kohle und anderen lebensnotwendigen Gütern führten. Nach dem Versailler Vertrag von 1919 trat Deutschland in eine Zeit wirtschaftlicher Instabilität und schwerer Inflation ein. Im Jahr 1924, während der Weimarer Republik, begann sich die Finanzlage zwar zu verbessern, aber viele Unternehmen waren bereits irreparabel geschädigt.

Nach Jahren geringer Profitabilität wurden 1929 die Produktionsrechte der Firma Max Hasse & Comp. an einen anderen, großen Berliner Maschinenhersteller, die Niles Werkzeugmaschinen GmbH (ein Lizenznehmer des amerikanischen Werkzeugmaschinenherstellers „Niles Tool Works Company“ mit Sitz in Hamilton, Ohio), verkauft. Infolge dieser Transaktion wurde die Maschinenproduktion in der Lindower Straße 20-22 eingestellt.

Titelseite einer Produktbroschüre mit einer Fräsmaschine von Max Hasse, Jahr unbekannt.
Von den 1930er Jahren bis zum Fall der Berliner Mauer
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Anfang der 1930er Jahre siedelten sich in den Räumlichkeiten in der Lindower Straße 20-22 eine Vielzahl von Unternehmen und Herstellern an.

Eine der ersten Firmen, die sich in den Räumen ansiedelte, waren die Haushaltswarenhersteller Graetz & Glückstein. Das 1926 gegründete Unternehmen wurde 1937 von den nationalsozialistischen Machthaber:innen enteignet, ebenso wie die Mehrzahl der jüdischen Betriebe in Berlin.

Eintragung der Firma Bode Panzer im Branchen-Adressbuch für Berlin 1946/47.
Um 1932 siedelte sich in der Lindower Straße 20-22 die berühmte Bode-Panzer-Tresorfabrik an. Sie wurde 1858 von Louis Bode und Heinrich Troue in Hannover als Firma Bode & Troue gegründet und war die erste deutsche Fabrik, die Tresore und Panzerkassetten sowie feuer- und einbruchsichere Stahltresore herstellte. Im Jahr 1924 hatte sich das Unternehmen mit der 1898 gegründeten Panzer AG Berlin zur Bode Panzer AG zusammengeschlossen. Die damalige Panzer AG Berlin hatte von etwa 1900 bis 1904 den Tresor des Berliner Münzkabinetts im Bode-Museum (ehemals Kaiser-Friedrich-Museum) gebaut und stieg in den folgenden Jahrzehnten zu einer führenden Anbieterin von Wertschutzschränken auf.
Neben Haushaltswaren und Tresoren beherbergte die Lindower Straße 20-22 im Laufe der Jahre eine breite Firmenpräsenz. Darunter befanden sich eine Knopffabrik, eine Quarzlampenfabrik, Buchbindereien, ein Likörhersteller sowie die Dienstbekleidungsfirma Tofaute & Gronwald, die später die Uniformen der westdeutschen Polizei produzierte.
2011-2016: der Renovierungsprozess
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Nach mehreren Jahren der Zwischennutzung – unter anderem im Rahmen des Kunstprojekts Mica Moca im Sommer 2011 – begann 2013 die strukturelle Renovierung des Komplexes an der Lindower Straße. Das Projekt wurde von ASA studio albanese, Vicenza/Milano, konzipiert und von Heim Balp Architekten, Berlin, betreut.

Das Dach wurde um einen zweistöckigen Anbau erweitert, der mit einer reflektierenden Metallverkleidung zwar deutlich sichtbar ist, aber nur minimal das Profil und die Proportionen des ursprünglichen Gebäudes verändert – zu bestimmten Tageszeiten reflektiert er den Himmel oder scheint gar ganz zu verschwinden.

Das Gebäude vor der Renovierung. Foto von Nick Ash.

Während des gesamten Renovierungsprozesses behielt das Backsteingebäude die meisten seiner Details bei; es wurden nur notwendige bauliche Veränderungen vorgenommen, darunter das Hinzufügen von Stahlbetonwandstützen an nicht mehr tragfähigen Stellen des Gebäudes. Alle Eingriffe in die historische Struktur wurden durch die Verwendung einfacher, aber funktioneller Materialien deutlich gemacht.

Viele Aspekte des Gebäudes entsprechen noch immer ihren historischen Ursprungsformen, darunter die Fenster im Erdgeschoss, der Großteil der Wände im gesamten Gebäude, der Lastenaufzug sowie viele der Zementböden.

Während die Seitentreppen verstärkt, sonst jedoch im ursprünglichen Zustand belassen wurden, musste die zentrale Treppe ersetzt werden. Die moderne Betonintervention verleiht dem Haupteingang eine bessere Funktionalität und Sicherheit.

Blick auf das Gebäude nach der Renovierung. Foto von Nick Ash.
Das Gebäude heute
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Die lichtdurchfluteten Räume, in denen früher Maschinen hergestellt wurden, bieten heute Raum für alle Formen künstlerischer Praxis.

Callie’s hat die Räumlichkeiten kaum verändert. Ein vertikaler Schacht mit ungenutztem Freiraum auf der Außenseite des Gebäudes wurde eingefangen und in drei Micro-Apartments für internationale Gastkünstler:innen umgewandelt.

Mehr Informationen zu unseren Räumlichkeiten gibt es hier.

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