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Shuang Li
Geboren 1990 in Nanping, China; lebt und arbeitet zwischen Shanghai und Berlin.

Shuang Li findet zunehmend Anerkennung für ihre multidisziplinären Auseinandersetzungen mit Formen des biopolitischen Konflikts. Ausgebildet in Literatur- und Medienwissenschaften untersucht Li sowohl vergangene als auch aktuelle soziokulturelle Dynamiken und lässt so neue und radikale Narrative entstehen. Wie Adrienne Rich 1972 schrieb, „der Akt des Zurückblickens, des Sehens mit frischen Augen… ist für Frauen weit mehr als ein Kapitel der Kulturgeschichte: es ist ein Akt des Überlebens“. In Intro to Civil War – Shuang Lis Einzelausstellung im Open Forum, Berlin 2019 – unterhält sich eine AI-Sex-Puppe mit der antiken Konkubine, nach deren Vorbild sie modelliert ist. Die Idee zur Geschichte entstand während einer Recherche Lis im historischen Archiv antiker Konkubinen, welches, wie die Künstlerin erklärt, fast ausschließlich aus Beiträgen ausländischer Missionare, lokaler Boulevardzeitungen oder männlicher Literaten besteht. Die fiktive Protagonistin in Lis Arbeit erklärt daher: “Es gibt so viel Literatur über mich, aber meine Geschichte ist nicht existent”; es ist eine düstere Reflexion über Sexualität und geschlechtsspezifische soziale Zwänge. Intro to Civil War nimmt auf einen Text des französischen Philosophenkollektivs Tiqquin aus dem Jahr 2010 Bezug, der sich mit der Frage beschäftigt, wie Krisen dem Kommunismus weichen können. Der Text sowie Lis Zitat des Queer-Theoretikers Paul B. Preciado in ihrem Statement zur Ausstellung enthüllen die philosophischen Anknüpfungspunkte, welche die Arbeit birgt.

In einer Performance im Jahr 2015 spazierte Li auf dem New Yorker Times Square entlang. Um den Hals trug sie ein Schild mit der Aufschrift „Marry Me for Chinese Citizenship“. Die Reaktion der Öffentlichkeit auf das Werk verdeutlichte die rassistische und geschlechtsspezifische Voreingenommenheit, die in den USA vorherrscht: Eine überwältigende Zahl von Passant:innen las das Schild falsch und bot stattdessen an, Li gegen eine Gebühr zu heiraten. Indem Li ihre Staatsbürgerschaft kommodifizierte, offenbarte sie das Ausmaß mythologischer Konstrukte auf nationale Identitätsbilder. In einem Essay für das Mousse Magazine schreibt Alvin Li: „Aufgeladen mit Provokation und offensichtlicher Frivolität orientierte sich [das Werk] stärker an der Arbeit einer Sexarbeiterin mit Migrationshintergrund, die ihren Körper öffentlich macht und für Sex anbietet – ein Stück Subjektivität, genau wie jemandes Staatsbürgerschaft – qua Arbeit.“

Während ihres Aufenthaltes bei Callie’s hat Li neben neuen skulpturalen Werken eine großformatige Projektionsarbeit realisiert sowie an der Konzeption eines neuen Videoprojekts gearbeitet, das 2021 realisiert werden soll. Li, die unter den Forbes „30 Under 30 in Art in Asia“ gelistet wurde, hat bereits in mehreren internationalen Institutionen ausgestellt, darunter 2019 im von Biljana Ciric kuratierten Times Museum und 2018 in Tai Kwun Contemporary in Hongkong. Li reiste im Februar 2020 nach Berlin, um ihre erste Einzelausstellung mit ihrer Galerie Peres Projects zu eröffnen; als Covid-19 einen Großteil der Welt in die Abriegelung zwang, konnte Li nicht nach China zurückkehren. Im Juni 2020 begann sie ihre Residency bei Callie’s; im Juli beantragte und erhielt sie ein Visum, um in Berlin bleiben zu dürfen. Lis Einzelausstellung Exit Wound wurde im September 2020 bei Callie’s eröffnet.

Shuang Li wurde 1990 in China geboren. Nach einem BA-Abschluss in Fremdsprachen an der Civil Aviation University of China schloss Li 2014 einen MA in Medienwissenschaften an der New York University ab. Zu ihren jüngsten Einzelausstellungen gehören I Want to Sleep More but by Your Side, Peres Projects, Berlin (2020); Intro to Civil War, Open Forum, Berlin (2019); If Only the Cloud Knows, SLEEPCENTER, New York (2018) und Comment il s'appelle, Lab 47, Beijing (2016). Lis jüngste Gruppenausstellungen umfassen In This Layered World All Perception is Real, Kunstverein Bielefeld, Bielefeld (2020); Resistance of the Sleepers, UCCA Dune, Qinhuangdao (2020); Modes of Encounters: An Inquiry, Times Museum, Guangzhou (2020); One (Illegitimate) Child, International Studio & Curatorial Program (ISCP), New York (2020), u.a.