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Miloš Trakilović
Geboren 1989 in Tuzla, ehemaliges Jugoslawien; lebt und arbeitet zwischen Berlin und Rotterdam.

Miloš Trakilović erforscht die affektive Kraft der Sprache und die Verhältnisse, die sich in Zeiten ideologischer Konflikte herausbilden. Oft aus seiner eigenen Erfahrung von Krieg und Vertreibung schöpfend, bietet Trakilović eine Kritik der sichtbaren und unsichtbaren Machtstrukturen sowie unserer eigenen Komplizenschaft innerhalb dieser Systeme an, indem er Fragen der Zersetzung, Fragmentierung und des Verschwindens untersucht. Trakilović absolvierte einen MFA in Experimentellem Film und Neuer Medienkunst an der UdK, der Universität der Künste in Berlin. Durch seine Praxis findet er neue Wege, abstrakt-theoretischem Material eine Form zu geben. In einem Interview mit Badland (wo er heute als Editor-at-Large tätig ist) sagte Trakilović: „Artikulation könnte sehr wohl die neue Abstraktion des zwanzigsten Jahrhunderts in unserer Zeit sein; es ist eine gerühmte Tugend in einem Milieu allumfassender Information“.

Trakilović orientiert sich bei seinen Performances oft am Format der akademischen Vorlesung, indem er sich direkt an sein Publikum wendet und dabei scheinbar disparate Informationen und Ideen geschickt miteinander verknüpft. Zusammen mit seinen Kollaborateur:innen Hito Steyerl und Giorgi Gago Gagoshidze entwickelte Trakilović 2019 die Arbeit MISSION ACCOMPLISHED: BELANCIEGE, die sich mit der Zukunft der visuellen Kultur im Zeitalter der algorithmischen Governance befasst. Im Neuen Berliner Kunstverein (NBK) uraufgeführt, untersucht die Arbeit den tiefgreifenden politischen Nachhall, der mit dem Tempo der technologischen Innovation verbunden ist und sich insbesondere in den kulturellen Artefakten manifestiert, die eine Brücke zwischen Hoch- und Populärluktur schlagen: High Fashion und ihr Schattenselbst – die Raubkopie, die gefälschte Form.

Kolja Reichert schrieb über das Werk in 032c: „Das ist Theorie im freien Fall; Theorie für eine Welt der präventiven Verbrechensvorhersage und vorausschauenden Regierungsführung, in der Bilder die Wirklichkeit nicht mehr repräsentieren, sondern vorhersagen und herstellen. Und in der Menschen nicht mehr einfach vor Bildschirmen sitzen, sondern selbst Knotenpunkte in einem Netzwerk sind, das mit kulturellen Inhalten überflutet ist, die sie konsumieren und weitergeben“. Während seiner Residency bereitete Trakilović in Zusammenarbeit mit FRAGILE seine Einzelausstellung vor, die im September 2020 bei Callie’s eröffnet wurde. Die neue Arbeit All but War Is Simulation nimmt ein Dokument des Krieges in Bosnien zum Ausgangspunkt: eine Post-It Notiz eines bald Flüchtenden, mit einer Liste von Besitztümern, die vor der Vertreibung der Familie mitgenommen werden sollten. Die Liste besteht fast ausschließlich aus technischen Geräten. Berührt von der poetischen Natur und den politischen Implikationen des Notizzettels, arbeitete Trakilović mit dem Künstler Hans-Henning Korb zusammen, um die aufgelisteten Gegenstände digital zu rekonstruieren und sie dann in eine 2-Kanal-Videoinstallation zu integrieren, welche die Darstellung und Realität des Krieges hinterfragt.

Miloš Trakilović wurde 1989 in Tuzla, im ehemaligen Jugoslawien, dem heutigen Bosnien und Herzegowina, geboren. Im Anschluss an sein Kunststudium an der Universität der Künste in Berlin absolvierte Trakilović einen MFA in Experimentellem Film und Neuen Medien bei Professorin Hito Steyerl. Zu seinen jüngsten Ausstellungen zählen: of bread, wine, cars, security and peace, Kunsthalle Wien, Wien (2020); MISSION ACCOMPLISHED: BELANCIEGE mit Hito Steyerl und Giorgi Gago Gagoshidze, Neuer Berliner Kunstverein, Berlin (2019); Perception of Contemporaneity, Danube Dialogues, Novi Sad (2019), Todays Art, Den Haag (2018); Prospects & Concepts, Art Rotterdam (2018); Farocki Now: A Temporary Academy, Farocki Institute (2017); The Clouds is Where We Want To Be, Bethanien (2017), u.a. Trakilović hat Texte in Print- und Online-Publikationen veröffentlicht, darunter Power and Subversion in a Networked Age (Archive Books, DE), A Shot In The Arm (Zerozine, UK) und The Gamification of Life in Bullet Points (keen on Game Studies, AT). Trakilović lebt und arbeitet in Berlin und Rotterdam.