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nora chipaumire
Geboren 1965 in Mutare, Simbabwe; lebt und arbeitet zwischen New York und Harare.

Die Künstlerin nora chipaumire nutzt ihren Körper als Ausgangspunkt zur Erforschung theoretischer, historischer und persönlicher Inhalte. Ihre Praxis ist im Dekolonialismus verwurzelt und zielt darauf ab, „eine poetische Unverfrorenheit auszudrücken, die gegen Unwissenheit rebelliert, das Eigentum am Körper und an der Vorstellungskraft ehrt und Freiheit sowie Stärke vermittelt“.

Seit Jahren entwickelt chipaumire einen künstlerischen Ansatz, den sie nhaka, wörtlich „Erbe“ in ihrer Muttersprache Shona, nennt. Nhaka kann als ein animistisches, körperliches Manifest verstanden werden: chipaumire hofft, dass es von Künstler:innen genutzt wird, um eine Praxis körperlicher und geistiger Strenge zu entwickeln, die von europäischen Hoftänzen, wie dem Ballett, weit entfernt ist. Mit nhaka schafft chipaumire eine Bewegungssprache, die sich mit Fragen nach Gerechtigkeit und ästhetischer Berechtigung auseinandersetzt. chipaumire nähert sich dem Tanz als „animistische Technologie“ – ein Mittel, um Fragen und Antworten aufzudecken, die im physischen Körper verankert sind.

Während ihrer Residency bei Callie’s arbeitet chipaumire an Nehanda, einer Oper, die auf einem kolonialen Gerichtsverfahren basiert. Ihre Recherche umfasst die deutsche Kolonialgeschichte mit besonderem Schwerpunkt auf die Berliner Konferenz von 1884-1885, als europäische Nationen in der Stadt zusammenkamen, um eine Kolonialisierungsstrategie zu entwickeln und Richtlinien für die Erhebung von Ansprüchen auf Afrika festzulegen. Zu dieser Zeit wurde Deutschland zu einer imperialen Macht und erlebte einen Höhepunkt seiner kolonialen Eroberungen.

Nehanda ist ein nur von Frauen bewohnter Geist, der von den in Simbabwe und Zentralmosambik lebenden Shona verehrt wird. Im späten 19. Jahrhundert war Nehandas Medium Charwe Nyakasikana, eine revolutionäre Anführerin, die in den 1890er Jahren Aufstände gegen die britischen Kolonist:innen orchestrierte. Nach ihrer Gefangennahme wurde sie brutal hingerichtet. chipaumire: „Das Werk akzeptiert, dass das dekoloniale Projekt erst beginnt, nachdem die neokolonialen unabhängigen Staaten versagt haben, sich selbst zu regieren und das Joch des Kapitalismus abzuwerfen. Eine Rückkehr oder Erneuerung afrikanischer animistischer Praktiken könnte auf dem Weg zur vollständigen Emanzipation des schwarzafrikanischen Körpers von wesentlicher Bedeutung sein“.

nora chipaumire wurde 1965 im ehemaligen Umtali, Rhodesien, dem heutigen Mutare, Simbabwe, geboren. Sie wuchs im kolonialen Bildungssystem für schwarze Afrikaner:innen auf, das auch als „Gruppe B“-Schulbildung bekannt ist. Nach der Unabhängigkeit studierte sie zunächst Jura an der Universität von Simbabwe, bevor sie nach einem selbstgewählten Exil ein Tanzstudium am Mills College in Oakland, Kalifornien absolvierte.