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Camille Henrot
Geboren 1978 in Paris, Frankreich; lebt und arbeitet zwischen New York City, Paris und Berlin.

Camille Henrots vielfältige künstlerische Praxis umfasst Video, Skulptur, Installation, Malerei und Arbeiten auf Papier. Henrot studierte Filmanimation an der École Nationale Supérieure des Arts Décoratifs in Paris. Mit unermüdlicher Neugierde geht sie der Frage nach, was es bedeutet, Privatperson und Weltbürger:in zugleich zu sein. Henrots vielschichtige Untersuchungen entfalten sich mit klugem Humor, wenn sie sich mit zwischenmenschlichen und politischen Fragen innerhalb einer von Angst geplagten Gesellschaft auseinandersetzt. Henrot lässt sich von so unterschiedlichen Themen wie Kampfkunst, Evolutionsbiologie, Selbsthilfe, Psychoanalyse und Religion inspirieren: „Ich sehe die Welt als ein fragmentiertes Ensemble und diese Fragmentierung ist erschütternd. Durch die Recherchen, die Teil meiner Projekte sind, stelle ich eine gewisse Kontinuität her“.

Während eines Aufenthalts an der Smithsonian Institution 2012 begann Henrot eine ehrgeizige Recherche darüber, wie verschiedene Kulturen den Ursprung der Welt erklären. Die Künstlerin untersuchte die Archive der Institution, fasziniert von deren Streben nach totaler Repräsentation und ihren dabei endlosen Widersprüchen. Die daraus entstandene Videoarbeit Grosse Fatigue (2013) kann als eine monumentale Verschmelzung von Ursprungsgeschichten verstanden werden. Die Arbeit bedient sich des vertrauten Formats eines Computer-Desktops: immer neue Fenster, in denen Videos angespielt und Bilder vergrößert, gescrollt und vervielfältigen werden. Währenddessen erzählt ein begleitender Soundtrack, der von Joakim Bouaziz komponiert, von Henrot und dem Dichter Jacob Bromberg geschrieben und vom multidisziplinären Künstler Akwetey Orraca-Tetteh eingesprochen wurde, eine pulsierende Melange von Schöpfungsgeschichten. Durch die Verschiebung der Informationen von akademisch zu algorithmisch, werden persönliche Endgeräte zu Portalen der Übersättigung. Wie der Titel bereits andeutet, wird das Gewicht dieser Informationen oft als ermüdend empfunden. Henrot wurde auf der 55. Biennale in Venedig für die Präsentation von Grosse Fatigue mit dem Silbernen Löwen ausgezeichnet. Jahre später bleibt es ein ikonisches Werk, welches das Genre des digitalen Videos nachhaltig verändert hat.

Im Jahr 2017 erhielt Henrot eine carte blanche, um den 22.000 Quadratmeter großen Palais de Tokyo in ihrer Heimatstadt Paris zu bespielen. Die Struktur der Ausstellung Days Are Dogs folgte den sieben Tagen der Woche und umfasste alle Formen des Schaffens der Künstlerin. Die Ausstellung markierte die Erstaufführung des 3D-Films Saturday (2017), der die Kirche der Siebenten-Tags-Adventisten (SDA), eine evangelisch-christliche Konfession, die den Sabbat feiert, zum Ausgangspunkt nimmt. Henrot reiste zu Gemeinden der SDA-Kirche in den USA und im Königreich Tonga, Polynesien. Saturday (2017) verbindet Videoaufnahmen von Taufen mit zeitgenössischen Bildern von Surfer:innen, medizinischen Tests, kosmetischen Eingriffen und Protesten. Am unteren Bildschirmrand läuft ein elektronischer Nachrichtenticker, der die Betrachter:innen dazu verleitet, mehrere Aufgaben simultan zu erledigen und verschiedene Informationsquellen gleichzeitig aufzunehmen. Beunruhigende Schlagzeilen, die eine Umweltkatastrophe beschreiben, werden Aufnahmen von Menschen gegenübergestellt, die zum Glauben finden und letztlich eine kraftvolle Abrechnung mit dem Konzept der Hoffnung in unserer Zeit bieten.

Als Artist-in-Residence bei Callie’s konzentriert sich Henrot auf ihre Malereien und Arbeiten auf Papier. Sie bereitet ihren Beitrag für die Liverpool Biennale 2021 und andere bevorstehende Ausstellungen vor, darunter eine Einzelausstellung in der National Gallery of Victoria in Melbourne.

Camille Henrot, 1978 in Paris geboren, lebt und arbeitet zwischen New York City, Paris und Berlin. Ein Forschungsstipendium des Smithsonian Artist Research Fellowship 2012 führte zu ihrem Film Grosse Fatigue, für den sie auf der 55. Biennale in Venedig mit dem Silbernen Löwen ausgezeichnet wurde. 2014 erhielt sie den Nam June Paik Award und 2015 den Edvard Munch Award. In diesem Zusammenhang wird im Herbst 2022 eine Ausstellung im neu eröffneten Munch-Museum in Oslo stattfinden. Für die Konzeption ihrer gefeierten Installation The Pale Fox in der Chisenhale Gallery 2014 arbeitete sie Ideen aus Grosse Fatigue weiter aus. Die Ausstellung wurde unter anderem in der Kunsthal Charlottenborg, Kopenhagen, im Bétonsalon – Zentrum für Kunst und Forschung, Paris und im Westfälischen Kunstverein, Münster gezeigt. Darauf folgte die große Monographie Elephant Child (2016). Im Jahr 2017 erhielt Henrot eine carte blanche für das Palais de Tokyo in Paris, wo sie die große Ausstellung Days Are Dogs präsentierte.

Henrot zeigte weitere Einzelausstellungen im New Museum, New York; im Schinkel-Pavillon, Berlin; im New Orleans Museum of Art; in der Fondazione Memmo, Rom; der Tokyo Opera City Art Gallery, Japan; und bei Art Sonje in Seoul, Korea. Henrot hat an Biennalen in Venedig, Lyon, Berlin und Sydney teilgenommen. Ihre kommenden Einzelausstellungen werden in der Kestner Gesellschaft in Hannover, Deutschland (2021), der National Gallery of Victoria, Melbourne, Australien (2021); bei der Liverpool Biennale (2021), im Munch Museum in Oslo, Norwegen (2022) und im Middelheim Museum in Antwerpen, Belgien (2022) zu sehen sein.