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Marcin Pietruszewski
Geboren in Gniezno, Polen; lebt und arbeitet in Berlin.

Marcin Pietruszewski ist ein genreübergreifender Komponist und Researcher mit einem akademischen Hintergrund in Philosophie und Linguistik. Pietruszewski experimentiert sowohl mit traditionellen als auch konzeptionellen Ansätzen der Musikkomposition. Für die von ihm genutzten digitalen Synthesen und algorithmischen Kompositionen nimmt er oft historische Techniken aus der elektroakustischen und der Computermusik zum Ausgangspunkt.

Pietruszewski kam bereits in jungen Jahren mit der Musik in Berührung. Sein älterer Bruder war früh ein geschickter Programmierer und Coder, was Pietruszewski erlaubte, Computer zum Experimentieren mit seinen ersten Kompositionen zu nutzen. Mit siebzehn Jahren produzierte er bereits Klangstücke für eine lokale Theatergruppe in seiner Heimatstadt Gniezno, Polen. Als der deutsche Musiker und Produzent Marcus Schmickler wenig später einen Workshop für Elektronikproduzent:innen in Polen gab, bewarb sich Pietruszewski und wurde als jüngster Teilnehmer angenommen. Zwischen Pietruszewski und Schmickler entwickelte sich schnell eine Freundschaft und im Laufe der Zeit wurde Schmickler zu Pietruszewskis Mentor und häufigem Kollaborateur.

Pietruszewski ist Entwickler des New Pulsar Generator (nuPG), einem Programm zur Synthese von Mikrotönen. Aufgrund ihrer kurzen Dauer, die von einigen hundert Mikrosekunden (ein Millionstel einer Sekunde) bis zu etwa 100 Millisekunden (ein Tausendstel einer Sekunde) reicht, sind Mikrotöne kaum wahrnehmbar. Pietruszewski beschreibt das Programm nuPG als ein Sieb, das diese winzigen Klangsegmente auffängt und in hörbare Texturen und rhythmische Strukturen umwandelt.

Pietruszewskis elektronische Experimente verdeutlichen den Stellenwert von Sound innerhalb der Geschichte von Technologie, Kultur und Wissenschaft. In einem Interview mit The Wire erklärte Pietruszewski: „Ich bin mehr und mehr daran interessiert, über Klangsynthesetechniken als kulturelle Objekte nachzudenken: als Fenster in technologische, historische, ästhetische und diskursive Kontexte.“ In seinem 2016 erschienenen Buch Against Ambience argumentierte Seth Kim-Cohen, dass Klangkunst schon immer kritisch durch eine erfahrungsorientierte Linse verstanden wurde, die die Körperlichkeit des Klangs auf Kosten seiner konzeptionellen und sprachlichen Tiefe betont. Obwohl Pietruszewskis Kompositionen zutiefst materiell sind, verweigern sie sich einer rein formalistischen Interpretationsweise.

Als Resident im Sound Studio arbeitet Pietruszewski an einer neuen Komposition für das CTM Festival, die im September als Audioinstallation im Berliner Veranstaltungsraum VOLLGUTLAGER uraufgeführt werden soll. Außerdem arbeitet er an der Produktion eines neuen Albums, The New Pulsar Generator Volume 2, das kollaborative Aufnahme-Sessions einbezieht.

Marcin Pietruszewski, 1984 in Polen geboren, ist Komponist und Researcher. Er arbeitet sowohl unabhängig und als auch in Kollaboration mit Künstler:innen wie Marcus Schmickler, Florian Hecker, Jules Rawlinson, Lauren Sarah Hayes und dem BOAR collective. 2020 erschienen drei neue Platten : The New Pulsar Generator Volume One (fancyyyy), Auditory Sieve (ETAT) und Groups: Articulations of the Real (Superpang).

Pietruszewski unterrichtet Kurse zu digitalem Instrumentendesign, digitaler Signalverarbeitung und Klangtheorie. Er hat an der Reid School of Music am Edinburgh College of Art und am Design Informatics Programm der University of Edinburgh gelehrt. Seine Texte zur Geschichte, Ästhetik und Technologie der Computermusik wurden unter anderem von Hatje Cantz und dem ZKM|Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe veröffentlicht.

Derzeit ist Pietruszewski Research Fellow am Department of Computation and Information Sciences der Northumbria University in Newcastle, UK. Seine Forschungsschwerpunkte sind Design und Theorie von computergestützten Hörmodellen und die Sonifikation von wissenschaftlichen Daten. Pietruszewski lebt und arbeitet in Berlin.